6. Schriftenfest

am 16. und 17. Juni 2018 in Dresden

Ganz herzlich möchten wir Sie wie in den vergangenen Jahren zu unserem Schriftenfest 2018 einladen. Wir freuen uns, daß bekannte Referenten unserer Einladung gefolgt sind und uns interessante Beiträge erwarten.

Das Titelbild unserer Einladung zeigt Alphabete einer Schrift, die heute im Handsatz selten anzutreffen sind. Und weil sie kurz vor dem Schriftenfest erst zu uns gelangt sind, also bei uns noch ganz neu sind, haben wir sie für die Titelseite ausgewählt. – Alle beide gehören zur Corvinus, einer Antiqua mit klassizistischen Zügen, die von Imre Reiner entworfen wurde und 1934 bei der Bauerschen Gießerei herauskam. Reiner hat bei Ernst Schneidler studiert – gewisse Ähnlichkeiten mit dessen Schrift Kontrast sind also kein Zufall. Ebenfalls kein Zufall ist der Name der Schrift. Reiner, in Ungarn geboren, erinnert mit ihm an Matthias Corvinus, ungarischer König von 1443 bis 1490, ein kunst­sinniger Herrscher, der mit der Bibliotheca Corviniana die größte Sammlung wissenschaftlicher Schriften der damaligen Zeit schuf.

Schriftenfest 2018

Vorträge, Besichtigung und Vorführungen

Die freudigste Nachricht aber, die wir gern weitergeben möchten, ist die großherzige Stiftung einer der frühen Dingler-Pressen, aus der ersten Hälfte des 19. Jahr­hunderts, an die Offizin. Sie gehörte Hermann Zapf, er hat sie vor einer ungewissen Zukunft bewahrt. Unser besonderer Dank geht an Frau Gudrun Zapf-von Hesse, die sie nun in seinem Namen an uns weiterreicht. Die Presse möchten wir mit einem Druck des Textes von Beatrice Ward This is a Printing Office, gesetzt in der seltenen Schrift Spectrum, auf dem Schriftenfest einweihen. Jeder darf drucken, und jeder kann das selbst gedruckte Poster als Erinnerung mit nach Hause nehmen. Weiteres zum Pressenbauer Dingler und zu seiner Bedeutung im Vortrag.

Inhaltlich setzt unser Programm die Themen des Vorjahrs fort: Lesbarkeit, Erkennbarkeit der Zeichen – auch das Schriftschreiben als solches. Es ist eine wichtige Kultur­technik. Die fließende Bewegung stärkt die feinmotorische Leistung und trägt dazu bei, Sprache in unserem Gehirn zu verankern. Die Schulausgangsschrift besteht jetzt seit 50 Jahren, Renate Tost, die maßgeblich daran beteilig war, berichtet von ihrer Arbeit. – Doch es gibt so viele Schul­schriften. Nicht ganz einfach bei einem Schulwechsel! Thomas Bettinger schildert seine Vorstellungen und seine Bemühungen um eine Europäische Schulschrift. – Hohes Ansehen genoß zu DDR-Zeiten der Schrift- und Plakatmaler. Zentrum der Ausbildung war die Betriebsschule der Deutschen Werbe- und Anzeigen­gesellschaft, an der Andreas Frohloff sowohl Schüler als auch Lehrer war. Die Tätigkeit an dem Institut zu dokumentieren, hat er sich zusammen mit Fritz Grögel zum Ziel gesetzt. – Ebenfalls um Schrift, aber auch um Grafik geht es, wenn uns Gabriele Netsch einen Blick werfen läßt in die Schatzkammer der Deutschen Nationalbibliothek. – Können Dyslexie-Fonts von legas­thenen Menschen schneller als Standardschriften gelesen werden? Dieser Frage ist Bettina Andresen mit der Hilfe eines Lesbarkeitstests nach­gegangen, der vom MIT entwickelt wurde. – Rosalie Heinen beschäftigt zusammen mit Ulrike Borinski die Frage: Was macht einen Physiktext für sprachschwache Schüler so schwierig? Und: Kann er durch ein gutes Layout sprachlich verständlicher wirken?

Programm

Samstag, 16. Juni 2018

10.00 Uhr
Willkommen – Anmeldung
10.30 – 11.30 Uhr
Begrüßung – Neues aus der Offizin: seltene Schriften, die Dingler-Presse und andere überraschende Raritäten.
11.00 – 12.30 Uhr
Arbeiten in den Werkstätten: Einweihung der Dingler-Presse oder auch eigene Drucke, Visitenkarten, Plakate etc.
12.30 – 13.30 Uhr
Mittagspause: Kalte Köstlichkeiten, wie Schinken, Fisch, Käse, Salate.
13.30 – 14.00 Uhr
Gabriele Netsch, Leipzig: »Nachlaß zu Lebzeiten – drei Künstler der DDR – Axel Bertram, Egbert Herfurth und Gert Wunderlich – und ihre Schätze in der Deutschen Nationalbibliothek, Leipzig«.
14.00 – 14.45 Uhr
Andreas Frohloff und Fritz Grögel, Berlin: »Schriftenmalerei in der DDR«.
14.45 – 15.15 Uhr
Jung-Ja Holm: »Koreanische Druckkunst«.
15.15 – 16.00 Uhr
Ronald Steur, Westzaan (Niederlande): Eröffnung einer Ausstellung phantasievoller handwerklicher Drucke holländischer Pressen­drucker
16.00 – 16.30 Uhr
Kaffeepause
16.30 – 17.15 Uhr
Eckehart SchumacherGebler, Dresden: »Morris, Walker, Cobden-Sanderson – und was aus der Initiative der Arts and Crafts-Bewegung wurde«.
17.15 – 18.00 Uhr
Dr. Renate Tost, Dresden: »Form und Bewegung in der Schulausgangsschrift und Vergleiche zu anderen«.
18.00 – 18.45 Uhr
Thomas Bettinger, Wien: »Plädoyer für eine europäische Schulschrift – Typographie in der Wissensvermittlung«.
19.00 – 22.00 Uhr
Gemeinsames Abendessen (Buffet) in geselliger Runde.

Sonntag, 17. Juni 2018

9.30 – 11.00 Uhr
Unter der Überschrift Eine gestalterische Hymne auf das gedruckte Buch hat ein renommierter Verlag eine Reihe von Titeln neu heraus­gebracht, die, »um den Buchdruck als Handwerk zu würdigen«, von digital belichteten Platten im Buchdruckverfahren gedruckt wurden. Gestandene Fachleute, zugegeben kritische Geister, waren vom Ergebnis keineswegs überzeugt. Wir haben die Diskussion aufge­griffen und versucht, durch Tests ein objektives Bild der einzelnen Techniken zu erarbeiten, das hier vorgestellt wird.
11.30 – 11.45 Uhr
Rosalie Heinen, Münster, und Ulrike Borinski, Bochum:
»Ich verstehe das nicht! – Wie ein Physiktext durch graphische Umgestaltung verständlich wird«.
11.45 – 12.30 Uhr
Bettina Andresen, Hamburg: »Läsen. Leesen. Lesen! –
Welche typographischen Feinheiten können legasthene Menschen beim Lesen unterstützen?«.
12.30 – 13.30 Uhr
Pause mit kleinem Imbiß
13.30 – 16.00 Uhr
Arbeitsgruppe der Initiative lesbar – Forum Typographie.
Parallel dazu: Drucken und Setzen in der Werkstatt: Jeder Teilnehmer hat die Gelegenheit, eine eigene Visitenkarte zu setzen und anschließend auch auf einem von Hand zu bedienenden Boston-Tiegel selbst auf Büttenpapier zu drucken.

Weitere Empfehlungen

Für Teilnehmer, die schon am Vortag anreisen.
15. Juni, 16.15 Uhr: Genießen Sie den Zauber der Stadt bei einer gebuchten Führung durch den »Mathematisch-Physikalischen Salon« des Dresdner Zwingers. Phantastisch!

Übernachtung

Nachfolgend genannte Hotels liegen in unmittelbarer Nähe.

Hotel Martha Dresden
Nieritzstraße 11, 01097 Dresden
E-Mail rezeption@hotel-martha-dresden.de
Telefon 03 51/81 76-0
inkl. Frühstück EZ 79,– / DZ 113,– Euro
Motel One
Palaisplatz 1, 01097 Dresden
E-Mail dresden-palaisplatz@motel-one.com
Telefon 03 51/65 57 38-0
inkl. Frühstück EZ 78,50 / DZ 98,– Euro
nH Hotel Dresden
Hansastraße 43, 01097 Dresden
E-Mail nhdresden@nh-hotels.com
Telefon 03 51/84 24-0
Preis bitte erfragen

Reservierung bitte kurzfristig selbst vornehmen.

Adresse

»Schriftenfest Dresden 2018«
Offizin Haag-Drugulin Dresden
Großenhainer Straße 11a
01097 Dresden – (im Gebäude der früheren Schriftgießerei Typoart)
Telefon 03 51/8 08 52-0